
Updating Semper
Short description:
"Updating Semper" examines Gottfried Semper's famous theory of material transition or "Stoffwechsel". Semper's book from 1878 can be considered as the last comprehensive style theory. Semper utilized textile art (nowadays fashion) to derive stylistic criteria for architecture. Updating Semper, reverses the vector of translation and examines architecture to derive constructive and stylistic guidelines for fashion design.
Full text available in German only:
„Updating Semper“ - Schnittstellen von Architektur und Mode
Einleitung:
Das Seminar untersucht die Schnittstellen von zeitgenössischer Architektur und Mode anhand gemeinsamer tektonischer Kriterien. Ausgangspunkt bildet Gottfried Sempers 1803–1879 „Prinzip der Bekleidung“: Ein etymologisches und formales Instrument der Differenzierung bestimmender Elemente der Konstruktion und ein daraus resultierender Kanon an „Stoff-Wechseln“ und Regeln zur tektonischen und materiellen Gestaltung. Semper untersucht textile Kunst nach formellen Kriterien (Die Reihung, das Band, die Decke, die Naht), nach Rohstoffen (Thierfelle, Kautschuk, Lacke, Flachs, Baumwolle, Wolle, Seide) und nach Bearbeitungstechniken (Bänder und Fäden, Knoten, Masche, Geflecht, Gewebe, Stickerei, Färberei) und leitet daraus sein „Prinzip der Bekleidung“ und damit eine erste Systematik des Stils ab.
In Anlehnung an diese Systematik untersucht das AWE-Fach „Updating Semper - Schnittstellen von Architektur und Mode“ die These des Stoffwechsels mit umgekehrtem Vorzeichen, also von der Baukunst zurück zur Mode.In einem ersten Schritt lesen die Studenten die Semperschen Texte und erarbeiten ein „Update“ der semperschen Kriterien nach Form, Rohstoff und Bearbeitung. Relevante Zittate befinden sich auf dem ersten Paneel. Anschliessend überprüfen die Studenten die Auswahl an Materialien, Techniken und Formen und ergänzen sie wo nötig mit den textilen und mode-technischen Pendants. Daraus erarbeiten sie ihre Muster und Studien. Eine Auswahl die nach tektonischen Kriterien erfolgt wird Teil des Gruppen-Projektes „Smart Textiles“.
Struktur:
Die Struktur des „Smart Textiles“ leitet sich aus eine so genannten Tensegritäts-Struktur ab. Dieses besondere statische System wurde von dem russischen Konstruktivisten Johannson in den 1920er Jahren entwickelt und dann von Snelson und Buckminster Fuller in den 1950er Jahren „wiederentdeckt“. Dabei handelt es sich um ein System, dass mit wenigen Druckstäben auskommt und möglichst viel Last über die Zugseile abträgt. Die Seile halten sich dabei durch Zug in Position, es entsteht eine Zug- (tension) Integrität oder „Tensegrität“. Als Zugflächen eigenen sich auch hervorragend Textile. In unserem Fall sind nur die vertikalen Streben tragen, die Dreiecke sind wegen der Steifigkeit notwendig. Die Seile ziehen die Strutkur in Form.
Smart Textiles:
In Anlehnung an Muskel und Knochen, die in lebenden Organismen den statischen Zustand der Tensegrität, also des Gleichgewichts der Zug- und Druckelemente erzeugen, lässt sich die vorliegende Struktur als „smartes Textil“ verstehen. Es ist smart in der Reduktion der tragenden Elemente und der Performance der einzelnen Teile. Sowohl die Stäbe, als auch die Seile und Gewebe sind statisch wirksam. Der Kräfteverlauf wird in der Struktur sichtbar und trägt somit zu einer funktionalen und strukturellen Ästhetik bei. Die Struktur ist bewusst kein Kleidungsstück, sondern ein tektonisches Bauteil. Es lässt sich in verschiedenen Maßstäbe realisieren und somit einer Bandbreite von Anwendungen zuführen.
Bibliographie:
Semper, Gottfried: Der Stil in den Technischen und Tektonischen Künsten oder Praktische Aesthetik, erster Band, Textile Kunst. Bruckmanns Verlag, München 1878








